Niemand

Diese Überschrift ist die kurze Antwort auf meinen Artikel Wer braucht die FDP eigentlich noch?  vom 16.05.2011.

Es scheint jedenfalls so, wenn man sich das Wahlergebnis vom letzen Sonntag in Berlin anschaut. Wie der Focus so schön betitelt, befindet sich die FDP auf dem Niveau der Tierschutzpartei. Wobei Tierschutz als solches ja eine gute Sache ist und als politische Basis für eine Ein-Themen-Partei reicht, für die FDP, welche die Politik Deutschlands mitbestimmen möchte jedoch nicht.

Noch so eine Ein-Themen-Partei hat die FDP weit hinter sich gelassen. Die Piratenpartei, welche die Sitzverteilung in den verschiedenen Ebenen nicht so ganz begriffen hat und als Anfängerfehler bezeichnet und für wichtige politische Themen, welche die soziale und wirtschaftliche Zukunft Deutschlands beeinflussen nur die Beckenbauer-Taktik “Schaun wir mal.” aber nicht wirklich Lösungen parat hat, hat die FDP ins Abseits gestellt. Den liberalen Protagonisten waren die Fragezeichen in den Köpfen deutlich anzusehen.

Warum man nicht verstanden hat, weshalb man so viele Stimmen verloren hat, ist mir allerdings schleierhaft. Die Gründe sind doch eigentlich hinreichend bekannt. Man lässt sich vom Koalitionspartner gängeln und vorführen, zeigt nicht genug Stärke, ist zu minderbemittelt um die eigene Politik, ob erreicht oder geplant, dem Bürger zu vermitteln und als würde das nicht schon reichen, produziert noch nebenbei hausgemachte Probleme im Bereich Personal. Diese Armseligkeit zeigt sich derzeit wieder darin, dass die Hau- und Stechpuppe Westerwelle wieder ausgegraben und Dreck nach ihr geworfen wird.

Haben die Spitzenpolitiker aus Bund und Ländern wirklich nicht verstanden wo die Probleme liegen? Schließlich gibt es doch mittlerweile von der Basis, denn ich bin nicht der einzige, der das erkannt hat, genug Kritik, welche die Baustellen konkret anspricht. Oder haben die Parteimanager einfach nicht den Mumm, es auch mal knallen zu lassen? Als Oppositionspartei hat die FDP es immer wieder geschafft gangbare Lösungen aufzuzeigen und personaleinig eine bürgerfreundlichen Politik zu machen. Aber jetzt?

Spätestens jetzt müssten die Spitzenpolitiker doch gemerkt haben, dass sie als Führunskräfte im politischen Alltag versagt haben. Sie haben der FDP, die mit ihren immer noch guten politischen Ansichten und Tugenden nach wie vor eine sehr gute Politik anbieten kann, einen Imageschaden hinzugefügt, welcher bis zur nächsten Bundestagswahl wohl nicht mehr gutzumachen ist. Es wird Zeit zu Handeln. Und zwar im Sinne der Bürger. Denn dies ist nicht die FDP, welche die Bürger gewählt haben, welche ich gewählt habe und derer ich Mitglied bin.

Und bevor sich nun SPD, CDU und Grüne ins Fäustchen lachen: Auch dort hat es schon Sinnkrisen und Personalprobleme gegeben. Unterschied ist, dass man dort nicht so liberal ist, um andere Meinungen zuzulassen. Ich erinnere nur an den von der SPD geformten Begriff ‘Abweichler’, das Abschmelzen der Basis in Richtung Linke oder die harte Gangart der Kanzlerin, um Abtrünnige der CDU wieder auf Kurs zu bringen oder auch die chaotische Art der Grünen, wenn es einen Spitzenpolitiker zu ersetzen gilt und diese Frage dann eher undemokratisch gelöst wird.

Zweier Dinge bin ich mir sicher. Die FDP wird sich wieder fangen. Und da die Entscheidungen, welche die Partei wieder auf Kurs bringen, auf liberale Konzepte, demokratische Basis und bürgerorientierte Politik beruhen werden, wird die Partei gefestigt und glaubwürdig aus dem Tal kommen. Zum anderen wird dazu beitragen, dass die Bürger erkennen werden, dass die Politik der jetzigen Akteuere keineswegs besser ist, sondern dass diese ihre Worthülsen und Wolkenschubsereien lediglich besser verkauft haben. Mag sein, dass sich der ein oder andere hat blenden lassen, doch früher oder später erkennt auch dieser, dass das hier gewählt Produkt nicht das hält was großmundig versprochen wurde.

 

Über Peter Wagner

Mitglied der FDP Inden, Vorstandsmitglied im Ortsverband, Medienbeauftragter, Administrator des Weblogs, Sachkundiger Bürger Sozial-, Sport- und Kulturausschuss.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Bundespolitik, Kolumne abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf Niemand

  1. Tim sagt:

    Die Wahlergebnisse der letzten Zeit sind nicht Ausdruck falscher aktueller Politik, sondern das Abbild der Einsicht der meisten Wähler, dass Kapital-Liberalismus wirtschaftliches Schmarotzertum produziert. Da die FDP nicht vom Wirtschaftsliberalismus abgeht, ist sie als Schmarotzerpartei abgestempelt, egal was sie sonst noch sagt oder tut. Nur eine Rückkehr zum Programm der sozialen Marktwirtschaft wird die FDP wieder wählbar machen, auch bei den meisten Kapitaleignern.

  2. Peter Wagner sagt:

    Ich denke, dass man hier differenzieren muss. Das wirtschaftliche Schmarotzertum ist tatsächlich zu finden, jedoch bei den Konzernen, an deren Spitze ein Manager steht – also ein Verwalter. Die Unternehmer, die auch tatsächlich etwas unternehmen und für den Mittelstand stehen, sind gewiss keine Schmarotzer, sondern diejenigen, welche gemolken, jedoch nicht gefüttert werden.

    Während dieser Mittelstand hart dafür arbeiten muss, dass soziale Schmarotzer, die von der SPD und den Linken immer weiter gefördert werden, gut leben können, lacht der Dritte, nämlich die Oberschicht, sowohl im wirtschaftlichen, als auch im privaten Bereich, und macht sich weiterhin die Taschen voll.

    Politisches Versprechen der FDP bei der letzten Bundestagswahl war ja, dass Arbeit wieder belohnt werden sollte. Ansätze dazu waren ja zu sehen. Doch nicht nur von der Opposition, nein auch durch den eigenen Koalitionspartner ausgebremst und intern eingeknickt, hat die Bundes-FDP hier ihr Wahlversprechen nicht eingehalten.

    Ich denke, dass ist die soziale Marktwirtschaft, die Sie damit meinen. Die Gerechtigkeit der Wirtschaftsförderungen und der sinnvollen Umverteilung statt Schmarotzertum bei arm und reich.

  3. In einem Land in dem die Polizei vor rotznäsigen Randalierern Angst hat,… Wo man den ganzen Tag nur Party machen kann und es nichts ausmacht, ob man arbeitet oder nicht, weil man sowieso immer wieder in das soziale Netz fällt,…Wo man als blöd gilt, wenn man arbeitet,… Wo Bildung von den Alten gefordert, vom Staat kostenlos gewährt aber von den Jungen verweigert wird,…
    Wo Eltern vom Staat die Erziehung ihrer Kinder fordern,… Wo Menschen Anfang 20 wegen “Burn Out” Syndromen behandelt werden,… Wo man seine Meinung sagen kann, sie aber nur veröffentlicht wird, wenn sie sozialadäquat aufbereitet und bloß nicht zu kritisch gegenüber Sozialschmarotzern ist,… Wo man das Recht hat zu wählen, aber keine Lust dazu,…Wo es jeder als selbstverständlich hinnimmt, dass er frei, in Frieden und ohne Angst vor staatlicher Willkür leben kann,… Wo die Politik nicht die Presse sondern die Presse die Politik bestimmt,… Wo man nicht mehr hinterfragt was die Wahrheit ist, sondern jegliche Berichterstattung einfach als wahr konsumiert,… Wo man glaubt, CO2 sei ein schädliches Gas,… Wo man glaubt, durch Abschalten von Kraftwerken in einem Land würde man die Welt retten,… Wo man glaubt, durch Aussichtstürme könnte man Gemeindefinanzen sanieren,… Da braucht wahrlich niemand die FDP.

    Aber dort will ich auch nicht leben.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>